Die Sache mit der Komfortzone

Oft sprechen wir von unserer Komfortzone, diese Zone in unserem Leben, in der wir uns wohl fühlen, glücklich sind, geborgen und getragen durchs Leben gehn. Da gibt es diese Situationen, in denen wir anscheinend dazu aufgefordert werden, diese Komfortzone zu verlassen. Um zu wachsen, uns unseren Ängsten zu stellen, besser, grösser, schneller und noch glücklicher zu werden. Ich hab mich gestern gefragt, weshalb es für viele oft sehr schwer ist, diese Komfortzone zu verlassen, und was passiert mit ihr, wenn wir sie verlassen haben? Ist es überhaupt nötig, sie zu verlassen?

Diese Komfortzone scheint mir manchmal wie ein kleiner grosser Mythos. Gibt es sie denn wirklich? Gibt es den Bereich, in dem wir uns anscheinend ganz sicher und gelassen bewegen können, und weshalb in alles in der Welt müssen wir diesen Bereich verlassen, wenn wir innerlich wachsen wollen oder wir gar dazu gezwungen werden? Ich stell mir das so vor, dass sich die Komfortzonen auf einem Hügel befinden, so zu sagen auf einem Plateau, und sobald sie verlassen werden muss, dann springen wir über die Klippe den Hügel hinunter, an steilen, harten und scharfen Felsen vorbei, um dann irgendwo hoffentlich sanft im Nirgendwo zu landen. Was machen wir dann wenn wir gelandet sind? Genau, den ganzen steinigen Weg gehen wir wieder den Berg hinauf, bis wir wieder in der Komfortzone angelangt sind.

Das scheint mir eine ziemlich anstrengende Sache zu sein. Muss das so sein? Vielleicht täusch ich mich ja und ich hab die Sache mit der Komfortzone falsch verstanden. Das mit dem Verstehen spielt mir gerade nicht so eine grosse Rolle, ich hab mich darauf konzentriert, mein Bild von diesem wunderbar gut anfühlendem Raum zu verändern. Ich hab keine Lust mehr auf Klippenabstürze. Ich gehör sowieso nicht so zu der Sorte der Action Junkies, also hab ich mir einen harmonischeren Weg ausgedacht.

Ich hab mich mal in meiner Komfortzone umgeschaut und bin zum Schluss gekommen, dass ich mich dort wirklich ziemlich wohl fühl, der Name sagts ja. Nun, was passiert, wenn ich eine Situation, die mich anscheinend dazu veranlassen würde, meine Komfortzone zu verlassen, einfach in meine Komfortzone einlade? Ja genau, anstatt zu springen und nicht zu wissen, wie ich lande bleibe ich in meiner wohligen Zone, in dem Bereich, wo ich mich am besten spür, wo ich in der Mitte und Ich bin und lade die Herausforderungen zu mir ein. Ich öffne so zu sagen meinen Komfortzonen Raum, damit sich die Unangenehme Situation, von der ich lernen darf, zu mir gesellen kann.

Ich hab das mal versucht. Also ganz rebellisch hab ich mich der Herausforderung gestellt und ihr gesagt, dass ich nun keinen Bock mehr hab zu springen, aber dass sie sich gerne in meinen Komfortbereich dazu gesellen kann wenn sie denn will. Und was passierte, war eine ziemlich interessante Sache: Diese Herausforderung brauchte ziemlich viel Platz in meiner Komfortzone. So viel, dass mir fast die Puste weg blieb. Anstatt doch noch zu springen, hab ich ihr einfach in meinem angenehmen Raum ein bisschen Platz gemacht. Ich hab mich also dabei immer wohl gefühlt, und die Herausforderung auch, wir haben zusammen meine Komfortzone genossen, ihr Raum gegeben. Und was ist passiert? Die Komfortzone ist grösser geworden, die Grenzen haben sich nach aussen verschoben. Ein wunderbares Gefühl. Ich kann das mühsame Springen und Wiedererklimmen jetzt lassen, und wer weiss, vielleicht braucht es ja irgendwann gar keine Komfortzonengrenzen mehr!

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